Essstörungen

Inhalt

  1. Was ist eine Essstörung?
  2. Die häufigsten Arten von Essstörungen
    1. Magersucht – Anorexia nervosa
    2. Ess-Brech-Sucht – Bulimia nervosa
    3. Essucht – Binge-Eating-Disorder
    4. Fettsucht – Adipositas
  3. Wie hoch sind die Heilungschancen? – Was kann ich tun?
  4. Hilfe und Kontakt
    Links, Büchervorschläge, Geschichten von Betroffenen, Videos

Essstörungen sind in unserer Gesellschaft keine Seltenheit: In Österreich ist ca. jedes dritte Mädchen und jeder siebte Junge gefährdet, eine Essstörung zu entwickeln. Schätzungen zufolge leiden ca. 200.000 Österreicher einmal im Leben an einer Essstörung, wobei Frauen deutlich öfter davon betroffen sind. Wir wollen euch hier erklären, was man genau unter einer Essstörung versteht, welche Arten es gibt und was man dagegen tun kann.

1. Was ist eine Essstörung?

Essstörungen liegen dann vor, wenn beim Essen sogenanntes „krankhaftes“ Verhalten auftritt. Dieses Verhalten kann sich unterschiedlich zeigen: entweder dadurch, dass man nichts essen will oder kann, dass man zu viel isst oder auch nach den Mahlzeiten (selbst herbeigeführt) erbricht.

Essstörungen treten meistens aufgrund anderer problematischer Lebensumstände auf, zum Beispiel wegen familiären Problemen oder aber auch eigenen persönlichen Merkmalen (z.B. hohe Leistungsorientierung usw.). Manche Personen leiden auch an Essstörungen, weil sie mit sich selbst unzufrieden sind oder weil bestimmte Schönheitsideale vorherrschen.

Eine Essstörung geht oft auch mit Substanzabhängigkeit (Link Sucht) oder anderen Süchten (z.B. Sportsucht) einher.

Im nächsten Kapitel werden wir versuchen, euch die häufigsten Arten von Essstörungen verständlich zu erklären.

2. Die häufigsten Arten von Essstörungen

2.1. Magersucht – Anorexia nervosa

Leidet man an Magersucht (Anorexia nervosa), so hat der/die Betroffene kaum oder keinen Appetit und isst daher sehr wenig, was bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen führen kann. Durch übermäßig viel Sport oder Erbrechen versuchen die Betroffenen ihr (niedriges) Gewicht zu halten. Diese Essstörung kann sogar dazu führen, dass die pubertäre Entwicklung verzögert oder auch gehemmt wird.

Hierbei leiden die Betroffenen meist unter enormem Leistungsdruck, sind sehr perfektionistisch und beschäftigen sich fast ausschließlich mit ihrem Körpergewicht. In Österreich gibt es ca. 5.700 Personen, die an Magersucht leiden.

2.2. Ess-Brech-Sucht – Bulimia nervosa

Bei der Ess-Brech-Sucht haben die Betroffenen oft Ess- oder Heißhunger-Attacken, welche dann durch selbst herbeigeführtes Erbrechen wieder ausgeglichen werden. Die Betroffenen leiden unter Angst vor der Gewichtszunahme. Auch hier zeigt sich oft, dass die Betroffenen überdurchschnittlich viel Sport treiben oder sogar gewisse Abführmittel zu sich nehmen, um dieser Gewichtszunahme entgegenzuwirken. Im Gegensatz zur Magersucht sieht man bei Betroffenen der Ess-Brech-Sucht oft keine äußeren Merkmale der starken Gewichtsabnahme, sie sehen eher normalgewichtig aus. Die Rate der jungen Frauen bei einer solchen Esssucht liegt in Österreich bei ca. 22.500 Personen.

2.3. Esssucht – Binge-Eating-Disorder

Betroffene einer Esssucht nehmen Unmengen an Essen auf einmal zu sich, erbrechen jedoch nachher nicht. Auch hier entstehen Schuldgefühle, weshalb nach einer Ess-Attacke Diät gehalten wird, diese jedoch nur bis zur nächsten Ess-Attacke anhält. Bei Betroffenen kann man bei dieser Form der Essstörung durchaus Übergewicht erkennen und es kann daher durchaus sein, dass Betroffene von einer Esssucht in die Fettsucht rutschen.

2.4. Fettsucht – Adipositas

Bei Fettsucht leiden die Betroffenen an starkem Übergewicht, wobei der Anteil des Fettgewebes deutlich erhöht ist im Vergleich zu dem von normalgewichtigen Personen. Adipositas kann durchaus durch genetische Veranlagung entstehen, beziehungsweise auch durch Eigenheiten des Stoffwechsels. Auch diese Störung betrifft mittlerweile schon viele: ca. 12,6% der Bevölkerung im Alter von über 15 Jahren sind in Österreich adipös.

3. Wie hoch sind die Heilungschancen? – Was kann ich tun?

Die Heilungschancen sind bei den verschiedenen Arten von Essstörungen unterschiedlich hoch. Es kommt natürlich darauf an, wie schwer die Essstörung ist und wie lange sie bereits andauert.

Bei einer Magersucht stehen die Chancen auf eine Heilung bei ca. 50% und auf eine Besserung bei ca. 30%. Natürlich besteht hier auch die Gefahr, dass die Magersucht chronisch, also dauerhaft wird (ca. 20%). Bei dieser Essstörung sollte immer die ganze Familie miteinbezogen werden, also wäre hier eine Familientherapie zu empfehlen. Es wäre hierbei generell wichtig eine Therapie zu starten und sich professionell helfen zu lassen.

Auch bei der Ess-Brech-Sucht stehen die Heilungschancen gut, wenn man dazu bereit ist, eine Therapie zu beginnen. Hier sind die Chancen auf Heilung höher als bei der Magersucht, weshalb ca. 50-70% der Behandlungen erfolgreich sind und die Betroffenen vollständig gesund werden.

Bei den anderen Essstörungen ohne Erbrechen können ca. zwei Drittel der Betroffenen geheilt werden.

Es ist jedoch bei allen Formen der Essstörungen wichtig mit anderen Personen oder mit Betroffenen, auch jene die bereits eine Esssucht überwunden haben, zu sprechen. Selbsthilfegruppen wären eine gute Alternative, um weitere Personen in derselben Lebenslage kennenzulernen und mit ihnen mögliche Lösungen zu finden.

Hilfe und Kontakt

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